Interview Kaya Yanar

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Interview Kaya Yanar

Kaya Yanar

Dieses Interview wurde im saarscene Magazin Ausgabe März 2016 veröffentlicht

„Ich liebe den kulturellen Flickenteppich“

Viele Mädels wird es hart treffen, aber Prince Charming und Integrationsbeauftragter unter den Komikern des Landes ist mittlerweile fest in schweizerischen Damenhänden. Nichts desto trotz oder gerade unter anderem deswegen ist Kaya Yanar nun mit seinem neuen Bühnenprogramm „Planet Deutschland“ on Tour. Wie der Weltenbummler zum neuen Programm kam, worum es gehen wird und inwiefern das mit seiner neuen Liebe zusammenhängt, hat er uns in einem sehr ausführlichen Interview erzählt. „Planet Deutschland“ verspricht ebenso erfolgreich zu werden, wie seine bisherigen Shows. Also, Guckt Ihr! Am 1. April in der Saarlandhalle.

Du bist ständig unterwegs und arbeitest ununterbrochen, wie entspannst Du?

Ich bin ein Naturfreund. Manchmal sehe ich unterwegs Naturschutzgebiete, die es in Deutschland zu Hauf gibt. Dann machen wir einen Halt. Ich muss raus und an der frischen Luft wandern, dann bin ich happy und kann gut abschalten. Mir fällt es aber auch leicht, mich auf Dinge einzulassen. Ich kann sehr gut in Filme oder Bücher eintauchen.

Das neue Programm behandelt unseren Mikroplaneten Deutschland. Du deckst Deine Erkenntnisse über Deutschland auf. Wieso kommt das jetzt erst?

Fernweh hat mich in die Welt gezogen und wenn man dann zurück kommt, sieht man seine Heimat mit anderen Augen. Meine Freundin ist aus der Schweiz und da gibt es ein schönes Beispiel. Ich sagte zu ihr, sie solle doch mal bitte die Tasche im Auto auf die Hutablage legen. Daraufhin fragte sie mich, warum das in Deutschland Hutablage heißt und ich konnte es ihr nicht genau erklären. Oder sie hat mich darauf hingewiesen, dass in Deutschland viel Schorle getrunken wird. Weinschorle, Apfelsaftschorle, Traubensaftschorle. Sie hat gefragt, warum wir Deutschen alles mit Wasser mischen. Das sind Skurrilitäten, die einem dann erst bewusst werden, wenn man einem Ausländer solche Dinge erklären muss.

Wie bist Du vorgegangen, um dieses Programm zu produzieren? Bist Du hierzu in jedes Bundesland gereist?

Es geht um allgemeine deutsche Marotten und um einzelne Eigenheiten, wie beispielsweise die Bayerischen Gepflogenheiten, die Hessische Sprache und so weiter. So was wie das „Goaßlschnoizn“ in Bayern. Ich habe mich so erschrocken, als ich bei einem Freund eingeladen war und da so ein Typ kam, der mit der Peitsche knallte. Ich hab mich gefragt, wie man darauf kommt, Musik mit einer Peitsche zu machen. Auf solche Dinge gehe ich im Programm ein. Regionaltypisches aber auch Allgemeines. Es wird ein buntes Potpourri.

Welche Erkenntnisse konntest Du über Deine Heimat gewinnen?

Ich werde so oft gefragt, was ich für typisch deutsch empfinde. Wenn man das genauer beleuchtet, dann fällt auf, dass es ganz viele Dinge gibt, die wir für typisch deutsch empfinden, die es aber gar nicht sind. Der Gartenzwerg zum Beispiel wird als deutsches Gut gesehen, kommt aber gar nicht aus Deutschland sondern aus Österreich. Oder andersrum ist uns bei einigem auch gar nicht bewusst, dass es was deutsches ist. Den Hamburger rechnen wir den Amerikanern, Burger King und McDonalds zu. Er wurde aber von Hamburger Auswanderern im 19. Jahrhundert ins Ausland mitgenommen wurde. Das Programm habe ich auch ein bisschen für mich geschrieben, um mal zu checken, was noch deutsch an Deutschland ist. Unsere Sprache ist multikulti, Musiksprache nutzt englische Worte oder Restaurantsprache bedient sich aus dem Französischen.

Dein Thema war und ist immer noch Integration. Ist es in der heutigen Zeit immer noch leicht, Menschen über Comedy hierfür zu erreichen?

Es ist natürlich mittlerweile ein anderer Zeitgeist als 2001. Mit „Was guckst Du?!“ hatte ich Erfolg, weil es einen Bedarf von allen Seiten daran gab. Von ausländischer Seite gab es Bedarf nach Comedy, nach Entkrampfen, aber auch von Deutscher Seite. Man wollte damals ein wenig auf den Arm genommen werden. 2001 war das noch eine unschuldige Nummer, dann kam 9/11, der Krieg gegen den Terrorismus begann, gewisse Sachen wurden dann ein wenig schwieriger. Die aktuellen Flüchtlingsdebatte ist natürlich ein Reizthema. Meine Comedy hat sich allerdings nie wirklich geändert. Ich habe aber Themen wie Religion einfach ausgespart, weil das viele Leute zu ernst nehmen. Sprachen, Marotten oder kulturelle Dinge waren die Themen, die ich bearbeitet habe. Das hat sich so auch nicht geändert, auch nicht bei „Planet Deutschland“.

Du bist bekennender Nachrichtenjunkie. Wie schaffst Du es selbst, bei all den jetzigen Meldungen, Deinen Humor zu bewahren?

Das habe ich wahrscheinlich von meiner Mutter geerbt. Sie hat immer Humor bewahrt, auch wenn es ihr nicht gut ging. Natürlich gab es auch Phasen in meinem Leben, in denen es mir nicht gut ging. Da gab es Komiker, zu deren Späßen ich gut lachen konnte. Ein Komiker ist dazu da, Leute zum Lachen zu bringen, wenn es ihnen auch mal nicht gut geht. Unter der Woche bin ich Nachrichtenjunkie. Wenn ich mich mit Kumpels treffe, mit meiner Freundin wandern gehe oder mit meinen Katzen spiele, dann schaue ich nicht ständig, was in der Welt passiert.

Gibt es irgendetwas, was Du gerne an den deutschen Gepflogenheiten ändern würdest?

Nein überhaupt nicht. Ich bin ein Fan vom Flickenteppich an Kulturen. Ich mag Eigenheiten, egal welcher Kultur. Monokulturen sind überhaupt nicht mein Ding. Ich finde es toll, dass es hier Klopse, Frikadellen oder Buletten gibt, alles ist ein bisschen anders. Einigen deutschen Lagern , die behaupten, unser „Deutschtum“ würde durch die Integration brüchig, möchte ich sagen, dass sie sich mal unsere Geschichte anschauen sollen. Dieses „Deutschtum“ hat nie existiert. Es gab schon immer Einflüsse anderer Länder. Allerdings hat sich Deutschland auch Werte erarbeitet, die jeder schätzen sollte, der hier lebt.

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