Interview Sportfreunde Stiller

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Interview Sportfreunde Stiller

Dieses Interview wurde im saarscene Magazin Ausgabe Oktober 2016 veröffentlicht

Sportfreunde Stiller

Groß denken und groß träumen lohnt sich!“

Vom Ernst des Lebens halb verschont, ist der, der in München wohnt. So zumindest sagt es eine bayerische Weisheit. Die Sportfreunde Stiller lieben München. Als wir mit ihnen sprechen durften, waren erst einige Tage nach dem dortigen Anschlag im Juli vergangen. Die neue Platte „Sturm und Stille“ erscheint am 7. Oktober dieses Jahres. Die Lieder bekommen auf einmal noch tiefere Bedeutung. Lieder über Sinn und Unsinn, Erfüllung, Wünsche, Träume, Verwirklichung und das tägliche Miteinander treffen mitten in die Magengrube und feuern an, an seinen Werten festzuhalten und trotz Niederlagen positiv zu bleiben. Die Sportfreunde stürmen und sind manchmal auch still. Diese emotionalen Kontraste spiegeln nicht nur die Gedanken der Band nach 20 Jahren wider. Vielmehr fühlt man sich beim Hören gut aufgehoben, kann sich selbst wiederfinden und Kraft schöpfen. So ehrlich wie das Album, erzählte uns Rüdiger „Rüde“ Linhof, wie es zu den Liedern kam und wie er selbst zum Leben steht.

Nach all dem, was in letzter Zeit passiert ist, stellt sich die Frage, ob Euer neues Album auf einmal einen noch tieferen Sinn ergibt.

Für uns hatte das Album schon vorher genau diesen Sinn, aber zunehmend wird das noch intensivierter. Das, was momentan abgeht, nehme ich als Anlass, dass man sich jetzt nochmal mehr abholen muss, mehr miteinander redet, ehrlich zueinander ist.

Wie schaffst Du es, den Optimismus, der in Euren Lieder versprüht wird, für Dich immer wieder zu behalten?

Man muss sich vor Augen führen, dass Dinge kommen und das Dinge gehen. Zuerst kommt die Krise, dann kommt die Idee, wie man aus dieser Krise rauskommt. Danach ist die Krise vorbei. Ich hab immer so ein paar Tage im Jahr, in denen es mich immer komplett runter zieht. Das geht dann solange, bis ich sage: So, reicht! Jetzt raus! Es gibt meist einen Punkt, da macht mein Kopf nicht mehr mit. Ich kann dann nicht mehr optimistisch sein. Dann laufe ich durch den Wald. Nach zehn Minuten merke ich dann, dass der Knoten sich löst. Oft stelle ich auch fest, es ist einfach nur Hirngeficke. (lacht) Auf gesellschaftlicher Ebene sehe ich dann, man muss einfach mehr raus und reden.

In einem Eurer neuen Lieder kommt vor: „Einen schönen Gruß vom Leben“. Was ist für dich der perfekte Rausch oder wann hast Du am Ehesten das Gefühl, zu leben?

Zum Beispiel, nach einer langen Zeit wieder auf die Bühne zu gehen und zu entdecken, dass da Leute sind, die zu den Konzerten kommen. Auch festzustellen, dass da wieder die Person ist in mir, die ich nur kenne, wenn ich auf der Bühne stehe. Diese Begegnung mit diesem Bühnenmenschen ist jedes mal eine Überraschung für mich. Der Rausch kommt dann durch die Begegnung mit dem Publikum. Aber auch mit dem Fahrrad mal zwei oder drei Stunden zu einem See zu fahren, total verschwitzt in den See zu springen und anschließend mit einem Kumpel ein Paulaner zu trinken.

In einem früheren Interview ging es mal um das Thema Spießer. Ihr sagtet damals, dass es früher leichter war, in den Tag hineinzuleben. Was denkst Du, woran das liegt?

Mit Spießigkeit hat das nicht viel zu tun. Man muss viel mehr planen. Ich habe Familie, es gibt die Band und um allem einen Raum zu geben, muss ich diese Räume erst mal checken und planen. Dann erst kann ich mich in diesen Räumen entspannt bewegen. Ich glaube, es gäb nichts Schlimmeres, als einen Vater, der in den Tag hineinlebt.

Die erste Hälfte Eurer Platte beinhaltet Lieder, die gesellschaftskritisch sind. Die Lieder der zweiten Hälfte besingen eher die zwischenmenschlichen Themen.

Viele Lieder besingen einfach das Thema, sich selbst nochmal zu finden, mal wieder Party zu machen. „Viel zu schön“ ist zum Beispiel ein Lied, dass man wählen kann, positiv zu denken oder eben negativ. Dann wähle ich doch lieber das Positive, als Angst davor zu haben, dass mir irgendwann mal was passiert. Am Ende meines Lebens stehe ich dann da und stelle fest, dass mir noch gar nix passiert ist und hatte ein Leben lang Angst davor. Viele Dinge sind einfach nur im Kopf, Du kannst frei wählen. Letztlich sind unsere Lieder einfach nur was sehr Persönliches.

Nach 20- jähriger Bandgeschichte hat man viel erlebt. Was ist das Resumee, das Du aus all den Jahren ziehst?

Ich ziehe daraus, dass es sich lohnt, groß zu denken und groß zu träumen. Man macht etwas, was einem Spaß macht und merkt, dass es dann auch funktioniert. Man darf nicht enttäuscht sein, wenn es mal nicht ganz so groß ausfällt. Weiter träumen, das ist doch romantisch!

Text: Tine Sattler

Bild: Band

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