Im Wäschekeller mit Alfons Schuhbeck- Gedanken zum Feierabend

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Im Wäschekeller mit Alfons Schuhbeck- Gedanken zum Feierabend

… wenn es den denn gibt

Als Alfons Schuhbeck bei uns einzog

An den Tag, an dem Alfons Schuhbeck in unseren Wäschekeller einzog, kann ich mich noch gut erinnern. Denn eigentlich hätte das nicht sein müssen. Das war einem ganz blöden Umstand geschuldet, und es war auch keine ganz günstige Angelegenheit. Dazu später aber mehr.

Ich bin Johanna, zweiundvierzig Jahre, verheiratet, Mutter von drei Kindern, zwei Jungs und ein Mädchen. In meiner Freizeit arbeite ich zwanzig Stunden die Woche in einer Tierhandlung. Abteilung Schildkröten. Verheiratet bin ich seit fünfzehn Jahren mit Bruno. Bruno und ich haben vor fünf Jahren dieses Haus auf dem Dorf gekauft, in dessen Keller seit einigen Wochen Alfons Schuhbeck wohnt.

Das klingt zunächst komisch. Ich fand das auch seltsam, aber mittlerweile habe ich mich dran gewöhnt, dass ich Alfons mehrmals in der Woche im Wäschekeller treffe. Und irgendwie bin ich inzwischen auch ganz froh drüber. Alfons schien sich richtig zu freuen, als er mich zum ersten Mal im Wäschekeller sah. Das hat sich auch seit dem ersten Treffen nicht geändert.

Also gut. Bevor man jetzt den Eindruck gewinnen könnte, dass ich irgendwo zwischen Kinderkriegen und Schildkrötenhandel den Verstand verloren habe, möchte ich hier einmal aufklären. Das war nämlich so:

Bruno und ich treffen uns gern mit unseren Freunden zum gemeinsamen Kochen. Vor einigen Wochen wurden wir von Stefan und Lisa eingeladen. Lisa fragte mich, ob wir den Nachtisch beisteuern könnten, während sie und Stefan den Hauptgang vorbereiten würden. Lisa wünschte sich Eis und fragte mich, ob wir eine Eismaschine haben. Ich war felsenfest überzeugt, dass wir in unserer riesigen Küchengerätesammlung auch eine Eismaschine besitzen. Als dann der Tag kam, an dem wir bei Lisa und Stefan eingeladen waren, bat ich Bruno, im Keller nach unserer Eismaschine zu schauen. Bruno sah mich fragend an und ich drängte ihn, sich nicht so doof zu stellen, wir hätten doch schließlich eine Eismaschine. Ich wüsste es genau, wir hätten doch erst vor zwei Jahren gemeinsam Eis mit den Kindern gemacht.

»Softeis, Johanna. Wir haben Softeis gemacht. Wir haben eine SOFTeismaschine, keine EISmaschine.«

Verdammt, Bruno hatte Recht. Softeis. Damit konnte ich Lisa jetzt nicht ankommen. Schließlich hatte sie sich so drauf gefreut, dieses ultraleckere Schokocookie Eis gemeinsam mit mir zuzubereiten.

Langer Rede, kurzer Sinn: Bruno beschloss, eine Eismaschine zu kaufen. Nicht nur für diesen Abend. Er kam nach Hause mit einem Monsterpaket, in dem eine Eismaschine deluxe verpackt war. Seine Argumentation, nachdem er mir den Preis nannte, war die, dass sich das für uns schon lohnen würde, weil Paul, unser ältester Sohn schließlich laktoseintolerant sei und wir damit auf jeden Fall viel öfter auch mal für Paul ein Eis zubereiten könnten.

»Ich mag überhaupt kein Eis, Papa«, hatte unser siebzehnjähriger Sohn geantwortet.

»Egal«, hatte Bruno geantwortet und mit einem Rums die Eismaschine auf unseren Esstisch gestellt.

Ich betrachtete mir die Maschine. Bruno stand neben mir.

»Hier guck, Alfons Schuhbeck empfiehlt die. Schuhbeck, Joahnna! Das ist die original Schuhbeck Eismaschine deluxe.«

Mit stolzgeschwehlter Brust hatte Bruno mit seinem knochigen Zeigefinger auf das Konterfei des Sternekochs getippt, so als wollte er dessen Kopf tätscheln.

»Super! Bruno. Das wird das beste Eis, das Lisa und Stefan jemals gegessen haben«, hatte ich ironisch geantwortet. Es war das beste Eis, das sie jemals gegessen hatten. Die Eischmaschine ist ihr Geld wert. Auch wenn man für dieses Geld sehr viel Eis essen könnte, und ich meine nicht einen gemischten Becher, nein, ich meine diese abgefahrenen Kreationen mit Amarenakirschen und ordentlich Fruchtsoße obendrauf. Viele, sehr viele.

Naja und am Tag nach dem Dinner bei Lisa und Stefan zog die Eismaschine samt Alfons auf der Kiste in unseren Wäschekeller. Da steht sie nun auf dem Gefrierschrank neben der Waschmaschine.

Und jetzt treffe ich mich mehrmals in der Woche abends da unten mit Alfons im Keller und dann reden wir. Von Hobbyköchin zu Sternekoch. Von Schleckermäulchen zu Gourmet. Von Frau zu Mann.

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